Der Anfang

Teil 1 · ~557 Wörter · ~3 Min. Lesezeit
Es gibt Momente im Leben, die sich anfühlen, als würde alles gleichzeitig zusammenbrechen und neu beginnen. Als mein Hund starb, war das so ein Moment. Ich hatte ihn über alles geliebt, und plötzlich war da nur noch diese Leere. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, wusste nicht, wie ich weitermachen sollte.

Ich hatte Noah, zwei Wochen vorher auf DBNA kennengelernt, online, wie so viele Leute damals. Aber es fühlte sich anders an. Wir hatten schon häufiger geschrieben und öfters im TeamSpeak gehockt. Und dann, als mein Hund starb, habe ich ihm davon erzählt. Ich wusste auch warum gerade ihm. Und irgendwie hat er die richtigen Worte gefunden. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Einfach da. Und dann ging alles sehr schnell. Wir wollten uns treffen, und ich brauchte das auch. Ich brauchte jemanden, der mich verstand, der mich nicht bemitleidete, sondern einfach nur da war.

Das erste Treffen war bei mir zuhause. Ich war nervös, aufgeregt, erleichtert – alles auf einmal. Und als er dann vor mir stand, in diesem casual Outfit, das irgendwie perfekt zu ihm passte, dachte ich nur: Okay, das fühlt sich richtig an. Er machte einen super positiven ersten Eindruck. Nicht aufdringlich, nicht zu zurückhaltend. Einfach er selbst. Und ich mochte das sofort.

Die ersten Wochen waren wie ein Rausch. Verliebt, intensiv, aufregend. Wir haben geredet, gelacht, uns kennengelernt. Es fühlte sich an, als hätte ich endlich jemanden gefunden, der mich versteht. Jemanden, bei dem ich ich selbst sein kann. Und dann, nach drei Monaten, sind wir zusammengezogen. Drei Monate. Viel zu schnell, werden manche sagen. Aber für mich war es keine Frage. Ich wollte von zuhause raus. Ich konnte es dort nicht mehr aushalten, und Noah war meine Chance, endlich mein eigenes Leben zu leben. Es war eine riesige Freude, ein verdammt großer Schritt ins eigene Leben. Es war aufregend.

Meine Familie reagierte teilweise positiv, meine Freunde größtenteils auch. Es fühlte sich an, als würde alles endlich passen. Als würde ich endlich ankommen.

Aber dann kamen die Schatten.

Nach ungefähr eineinhalb Monaten ist etwas passiert. Etwas, das ich nicht hätte tun sollen. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht war ich überfordert, vielleicht war ich unsicher, vielleicht wollte ich testen, ob das alles echt ist. Aber es ist passiert. Und es hat etwas zwischen uns kaputtgemacht, das wir nie wieder richtig repariert haben.

Später, als er eine Woche weg war, dachte er, es wäre wieder passiert. Es war nicht so, aber das spielte keine Rolle. Das Vertrauen war schon angeknackst, und wir haben nie wirklich darüber geredet. Nicht richtig. Nicht so, dass es hätte heilen können.

Ab da war es eine Mischung. Verliebtheit und Streit. Nähe und Distanz. Wir haben mindestens sechs Mal die Woche gestritten. Über alles und nichts. Über die Vergangenheit, über Missverständnisse, über Dinge, die wir beide nicht aussprechen konnten. Kommunikation lief nie wirklich. Wir haben geredet, aber nicht miteinander. Wir haben geschrien, aber nicht gehört.

Und trotzdem war da immer noch diese Freude. Diese Momente, in denen alles gut war. In denen wir zusammen auf der Couch saßen, Musik hörten, einfach nur da waren. In denen ich dachte: Das ist es. Das ist, was ich will. Das ist Liebe.

Aber die Schatten wurden länger. Und das erste Jahr war nicht nur der Anfang von etwas Schönem. Es war auch der Anfang von etwas, das uns beide langsam kaputtgemacht hat.