Alltag

Teil 7 · ~533 Wörter · ~3 Min. Lesezeit
Es ist komisch, wie sich Tage anfühlen können, wenn man nicht wirklich in ihnen lebt, sondern eher durch sie hindurchtreibt.

Mein Alltag ist kein Alltag im klassischen Sinn. Keine festen Zeiten, keine Routinen, keine Struktur, die mich durch den Tag trägt. Stattdessen ist da dieser Hyperfokus, der mich packt und nicht mehr loslässt. Ich verliere mich in Dingen – Schreiben, Zocken, Musik, Projekte, alles, solange es interessant genug ist. Die Zeit verschwindet. Stunden vergehen, ohne dass ich es merke. Und plötzlich ist es dunkel draußen, und ich frage mich, wo der Tag geblieben ist.

Das Essen vergesse ich dabei komplett. Nicht, weil ich keinen Hunger habe, sondern weil ich einfach nicht daran denke. Mein Körper meldet sich irgendwann, so nach zehn Stunden, und dann erst merke ich: Ach ja, essen. Das wäre vielleicht eine gute Idee. Aber selbst dann ist es mir relativ egal. Es ist eher ein "sollte ich mal machen" als ein echtes Bedürfnis.

Es ist ein ADHS-Ding, dieses komplette Abtauchen in etwas, das mich gerade interessiert. Und es ist halb gut, halb schlecht. Gut, weil ich in diesen Momenten produktiv bin, kreativ, fokussiert auf eine Art, die sich richtig anfühlt. Schlecht, weil ich alles andere vergesse. Essen, schlafen, Menschen. Die Welt um mich herum existiert einfach nicht mehr.

Der Schlaf ist auch so eine Sache. Entweder ich schlafe gar nicht, weil mein Kopf nicht aufhört zu denken, oder ich schlafe viel zu viel, weil ich erschöpft bin von all den Gedanken, die mich nachts wach gehalten haben. Es gibt kein Dazwischen. Keine gesunden acht Stunden, keine Regelmäßigkeit. Nur diese Extreme, die mich müde machen, auch wenn ich gerade aufgewacht bin.

Und dann ist da die Isolation. Ich ziehe mich zurück, ohne es wirklich zu merken. Nicht, weil ich Menschen nicht mag, sondern weil es leichter ist, allein zu sein. Weil ich mich dann nicht erklären muss. Weil ich dann nicht das Gefühl habe, dass ich zu viel bin oder zu wenig. Zu laut oder zu still. Zu chaotisch oder zu distanziert.

Die Überforderung kommt schleichend. Nicht als großer Knall, sondern als dieses leise Gefühl, dass alles zu viel ist. Zu viele Gedanken, zu viele Aufgaben, zu viele Erwartungen – auch die, die ich mir selbst stelle. Und dann schalte ich ab. Mache gar nichts mehr. Sitze nur da und starre ins Leere, weil selbst das Nichtstun anstrengend ist.

Das Gedankenkreisen ist das Schlimmste. Diese endlosen Schleifen, in denen ich die gleichen Dinge immer wieder durchdenke. Was ich hätte anders machen können. Was andere von mir denken. Ob ich genug bin. Ob ich zu viel bin. Ob ich überhaupt richtig bin, so wie ich bin. Es hört nicht auf. Selbst wenn ich abgelenkt bin, ist es da, im Hintergrund, leise surrend wie ein Motor, der nie ausgeht.

Mein Alltag ist kein Alltag. Es ist ein ständiges Navigieren zwischen Hyperfokus und Leere, zwischen zu viel und zu wenig, zwischen produktiv sein und komplett abschalten. Es ist anstrengend. Und gleichzeitig ist es das Einzige, was ich kenne.

Ich weiß nicht, ob das okay ist. Ob das normal ist. Ob ich das ändern sollte oder ob das einfach ich bin. Aber es ist, was es ist. Mein Alltag. Chaotisch, unstrukturiert, manchmal überwältigend. Und trotzdem irgendwie meins.